10 Euro im Monat. Klingt nach Taschengeld. Soll aber der Einstieg in die private Altersvorsorge werden. Mit der Frühstart-Rente will die Bundesregierung Kinder früh an den Kapitalmarkt heranführen und gleichzeitig das wackelnde Rentensystem entlasten. Wer einsteigen darf, ab wann das Ganze losgeht und was am Ende wirklich dabei rauskommt: Hier ist der Überblick.
Was ist die Frühstart-Rente ab 2026?
Die Frühstart-Rente ist ein staatlich gefördertes Altersvorsorge-Depot, also ein Wertpapierkonto speziell für Kinder, in dem das Geld am Kapitalmarkt angelegt wird. Der Staat zahlt monatlich 10 Euro ein, vom 6. Geburtstag bis zum 18. Geburtstag. Voraussetzung: Das Kind besucht eine Bildungseinrichtung in Deutschland. Es wird aktuell (Stand Juni 2026) noch geprüft, ob weitere Voraussetzungen wie Kindergeldbezug oder Wohnsitz in Deutschland ergänzt werden.
Eröffnen müssen das Depot die Eltern oder Erziehungsberechtigten. Eltern, Erziehungsberechtigte, Großeltern, Pat*innen oder später auch das volljährige Kind können zusätzlich eigene Beiträge einzahlen. Das angesparte Kapital bleibt bis zum Renteneintritt gesperrt. Erst dann fließt das Geld und muss dann als Einkommen versteuert werden.
Eine Förderung, die nicht an das Einkommen der Eltern gekoppelt ist, sondern jedem Kind in der Bildungsphase zusteht: Das ist der politische Anspruch. Ob er aufgeht, hängt vor allem davon ab, ob Eltern das Depot überhaupt eröffnen.
Aktuelle Rentenpläne der Bundesregierung 2026 im Überblick
Die Idee der Frühstartrente stammt aus dem Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD vom April 2025. Die Bundesregierung hat im Dezember 2025 die Eckpunkte für die Frühstart-Rente beschlossen, ein Gesetzentwurf soll dieses Jahr noch folgen. Geplant ist, dass die ersten Depots voraussichtlich ab 2027 eröffnet werden können und die Auszahlungen aber rückwirkend zum 1. Januar 2026 erfolgen.
Den Anfang macht der Geburtsjahrgang 2020. Jedes Folgejahr kommt ein jüngerer Jahrgang dazu: 2027 die 2021 Geborenen, dann die 2022er und so weiter. Ab 2029 sollen auch ältere Kinder bis 17 nachträglich in das Programm aufgenommen werden – sodass am Ende alle 6- bis 17-Jährigen die Förderung erhalten.
Die Frühstart-Rente ist dabei nicht alleine unterwegs. Sie startet zusammen mit einer größeren Reform der privaten Altersvorsorge, in deren Rahmen auch das neue Altersvorsorgedepot für Erwachsene eingeführt wird. Beide Bausteine sollen Riester ablösen und die private Vorsorge stärker auf den Kapitalmarkt ausrichten.
Kinder Rente 2026: Wer hat Anspruch hat und ab wann
Anspruch hat jedes Kind zwischen 6 und 17 Jahren, das in Deutschland eine Schule oder Bildungseinrichtung besucht. Das Einkommen der Eltern spielt dabei keine Rolle. Diskutiert wird zusätzlich ein Zuschlag von 5 Euro pro Monat für einkommensschwache Familien – beschlossen ist er noch nicht.
Den Antrag stellen die Eltern oder Erziehungsberechtigten. Sie eröffnen für ihr Kind ein Depot bei einem zertifizierten Anbieter und melden es an. Was passiert, wenn Eltern das nicht tun? Laut den aktuellen Plänen springt der Staat ein und legt das Geld nach Kohorten stellvertretend an. Wird das Depot später eröffnet, sollen die bisher angelegten Mittel in das persönliche Depot übertragen werden können.
Eines ist klar: An das Geld kommt das Kind erst zum Renteneintritt – aktuell mit 67. Vorzeitiger Zugriff ist ausgeschlossen. Stirbt das Kind vor Rentenbeginn, soll das Kapital an die Erben gehen.
Frühstartrente: So wächst das Geld
Die spannende Frage: Was wird aus 10 Euro im Monat? Antwort: überraschend viel – wenn Zeit und Zinseszins ihre Arbeit machen dürfen.
Vom 6. bis zum 18. Geburtstag zahlt der Staat insgesamt 1.440 Euro ein. Wird das Geld breit gestreut am Aktienmarkt angelegt – also zum Beispiel in einen weltweiten ETF (ein börsengehandelter Indexfonds, der mit einem Produkt das Kapital auf hunderte Aktien verteilt) – sind realistische Renditen möglich.
Eine Beispiel-Rechnung mit dem MSCI World ETF, der laut Finanztip im Schnitt (gemessen ab 1975) circa 8% Rendite pro Jahr erzielt hat, zeigt die folgende Tabelle:
Aus 1.440 Euro können also über 100.000 Euro werden. Einfach, weil das Geld 60 Jahre Zeit hat. Wer als Eltern (oder die Kinder dann irgendwann selber) noch etwas drauflegt, zieht den Effekt deutlich nach oben. Das zeigt das Szenario 2: Wenn ab dem 6. Lebensjahr bis zum 67. Lebensjahr selbst noch 10€ pro Monat eingezahlt wird, kann daraus ein Depotwert von circa 282.000 Euro entstehen, bei einer eigenen Einzahlung von “nur” insgesamt 7.320€.
Garantiert ist davon nichts. Aktienmärkte schwanken. Aber: Über 60 Jahre hinweg gleicht sich vieles aus, wenn breit gestreut investiert wird.
Was Eltern bei der Frühstart-Rente beachten sollten
Die Frühstart-Rente ist ein gutes Angebot – aber kein Selbstläufer. Vier Punkte, die Eltern auf dem Schirm haben sollten:
Kosten checken. Depotgebühren und Produktkosten knabbern an der Rendite. Welche Anbieter und welche Konditionen am Ende zugelassen werden, ist noch nicht abschließend geklärt.
Risiken einordnen. Aktien schwanken und können fallen. Auch über lange Zeiträume. Wer eine garantierte Rendite erwartet, ist bei der Frühstart-Rente falsch.
Sperrfrist akzeptieren. Das Geld ist bis zum Renteneintritt eingefroren. Kein Zugriff für Führerschein, Studium oder erste Wohnung.
Steuern in der Rente einkalkulieren. Bis zum Beginn der Auszahlungsphase, also bis zum Renteneintritt, fallen keine Steuern auf Erträge an. Bei Auszahlung muss das Einkommen versteuert werden.
Frühstart-Rente vs. Junior-Depot: Welche Alternative passt?
10 Euro vom Staat sind ein guter Anfang, aber kein vollständiger Vermögensaufbau für deinen Nachwuchs. Wer jetzt schon starten will oder Geld zur Verfügung hat, das nicht erst mit 67 ausgezahlt werden soll, sollte sich die Alternative Junior-Depot anschauen. Es läuft auf den Namen des Kindes, hat keine Sperrfrist bis zur Rente und kann genauso in einen weltweiten ETF wie den MSCI World investieren. Bei vergleichbarer Anlageform sind ähnliche Renditen möglich. Ideal für Sparziele ab 18: Studium, erste Wohnung, Auslandssemester, Führersein.
Eine weitere Alternative ist ein Tagesgeldkonto, wo das Geld ebenfalls jederzeit verfügbar ist, das Risiko niedriger als bei der Frühstart-Rente oder Junior-Depot, die Rendite in der Regel aber niedriger ausfällt. Die Frühstart-Rente ist sinnvoll, weil das Geld vom Staat kommt und dein Kind nichts dafür tun muss. Sie ersetzt allerdings kein eigenes Junior-Depot, insbesondere wenn für den Start ins Erwachsenenlebens des Kindes vorgesorgt werden möchte. Beides parallel funktioniert auch prima: Die Frühstart-Rente legt die langfristige Basis für die Rente, das Junior-Depot deckt alles davor ab.
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Quellen: Bundesfinanzministerium: Fragen und Antworten zur Frühstart-Rente
Finanztip: Frühstart-Rente: Was bringt die Altersvorsorge für Schulkinder?
Tagesschau: Was man zur Frühstart-Rente wissen sollte
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