Schweden, Schweiz und die Niederlande machen es in Europa schon vor: Altersvorsorge mit Aktien, ETFs und Fonds. Deutschland will ab Anfang 2027 nachziehen. Erfahre hier, was es mit dem Altersvorsorgedepot auf sich hat, wie es funktioniert und ob es sich für dich lohnt.
Staatliche Förderung deines ETF Sparplans: Was ist ein Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot zur privaten Altersvorsorge. Es kombiniert Kapitalmarktrenditen mit staatlichen Zuschüssen und steuerlichen Vorteilen. Deine Sparrate wird durch staatliche Zuschüsse aufgestockt und die sich so erhöhende Summe profitiert von den Renditen am Kapitalmarkt.
Allerdings kann nicht jede*r das Altersvorsorgedepot nutzen. Die Grundvoraussetzung ist: Du bist pflichtversichert in der gesetzlichen Rente. Förderungsfähig sind außerdem alle
Selbstständige, die Einkünfte nach § 15 EStG („Gewerbetreibende") oder § 18 Abs. 1 Nr. 1–3 EStG erzielen und eine Steuererklärung abgegeben haben
Pflichtmitglieder in einer berufsständischen Versorgungseinrichtung (z. B. Ärzt*innen, Anwält*innen), die ihrer Versorgungseinrichtung eine Einwilligung zur Datenweitergabe erteilt haben
Mitglieder*innen der Künstlersozialkasse
Arbeitslose mit vorheriger Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung
Bürgergeld-Empfänger*innen mit vorheriger Rentenversicherungspflicht
Frührentner*innen
Pflegepersonen von Angehörigen mit Pflegegrad 2 für mindestens 10 Stunden pro Woche
Personen in Elternzeit, Krankengeld- oder Übergangsgeld-Bezug
Nicht förderungsfähig sind:
Freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherte
Minijobber*innen, die sich von der Rentenversicherung befreien ließen
Bezieher*innen einer Vollrente wegen Alters
Private Altersvorsorge aufstocken: So funktioniert das Altersvorsorge Depot
Das Altersvorsorge Depot funktioniert neben der eigenen Einzahlung - du kannst bis zu 6.840 € pro Jahr einzahlen - über zwei Fördermechanismen: Die staatlichen Zulagen und die steuerliche Förderung.
Die erste Komponente sind die staatlichen Zulagen:
Voraussetzung für die staatlichen Zulangen ist, dass selbst mindestens 120€ pro Jahr eingezahlt wird.
Die Grundzulage staffelt sich: Für die ersten 360€ deiner jährlichen Einzahlung bekommst du 50 Cent pro Euro, sprich bis zu 180€. Für jeden weiteren Euro bis 1.800€ gibt es 25 Cent dazu, sprich nochmal bis zu 380€.
Somit liegt die Grundzulage bei maximal 540€ pro Jahr.
Pro Kind verdoppelt der Staat deinen Beitrag. Maximal sind es 300€ pro Kind und Jahr. Zahlst du z. B. nur 10€ im Monat ein, bekommst du 120€ Kinderzulage.
Wer vor dem 25. Geburtstag einen Altersvorsorgevertrag abschließt, bekommt einmalig 200 € Berufseinsteigerbonus on top.
Je weniger du selbst einzahlst, desto stärker wirkt die Förderung prozentual (siehe Beispiel unten).
Um zu veranschaulichen, wie das Vermögen im Altersvorsorgedepot zusammengesetzt ist, hier zwei Beispiele:
Wie die Tabelle zeigt, variiert die Höhe der Grundzulage, je nach eigener Einzahlung. Außerdem können die Förderquoten stark variieren: Bei Marina übersteigen die staatlichen Zulagen mit 140% sogar ihren eigenen Beitrag, während Johannes ohne Kinder auf circa 33 % kommt.
Die zweite Komponente ist die steuerliche Förderung: Neben den direkten staatlichen Zulagen profitierst du beim Altersvorsorge Depot auch steuerlich. Solange dein Geld im Depot arbeitet, fällt keine Steuer auf Gewinne oder Erträge an. Zusätzlich kannst du deine Einzahlungen in der Steuererklärung über den sogenannten Sonderausgabenabzug geltend machen. Dadurch sinkt dein zu versteuerndes Einkommen und du zahlst weniger Einkommensteuer. Du bekommst also indirekt Geld zurück, weil du weniger Steuern zahlst. Wichtig zu wissen hierbei: Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Steuerersparnis höher ist als die staatlichen Zulagen. Wenn Zulagen besser sind, bekommst du nur die Zulagen. Wenn der Steuervorteil besser ist, bekommst du die Zulagen und zusätzlich die Differenz der Steuererstattung. Ein Beispiel: Die Zulagen liegen bei 600€, die Steuerersparnis liegt bei 900€. In diesem Fall bekommst du 600€ direkt ins Depot und 300€ Steuerersparnis.
In welche Wertpapiere du investieren kannst, hängt von deiner Garantieoption ab. Grundsätzlich sind beim Altersvorsorgedepot Anlageformen wie ETFs, aktive Fonds und Anleihen möglich. Umso höher die Garantie ist, desto weniger risikoreiche Anlageoptionen liegen im Depot und damit ist der Fokus eher auf Anleihen und sichere Fonds. Mit sinkender Garantie kannst du freier investieren.
Beim Altersvorsorgedepot fallen - wie bei anderen Geldanlagen auch - Kosten an. Diese Kosten beeinflussen die Rendite. Jeder Anbieter muss allerdings ein einfaches Altersvorsorgedepot anbieten, bei dem die Kosten auf maximal 1% pro Jahr begrenzt sind.
Wenn du in Rente gehst, wird das angesparte Kapital ausgezahlt, entweder als monatliche Rente oder schrittweise. Wichtig zu wissen: Die Auszahlungen werden mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert. Da der im Ruhestand meist niedriger ist als im Erwerbsleben, ist das in der Regel ein Vorteil. Vor Renteneintritt kommst du grundsätzlich nicht an das Geld. Eine Ausnahme gilt für den Kauf oder die energetische Sanierung einer selbstgenutzten Immobilie.
Riester Reform: Altersvorsorgedepot vs Riester-Rente
Das Altersvorsorgedepot soll die Riester-Rente ablösen. Daher wird die Einführung des Altersvorsorgedepot auch Riester-Reform genannt. Aber was genau sind denn nun die Unterschiede? Hier die fünf Hauptunterschiede:
Die Riester Rente war für viele zu intransparent, zu teuer und nicht nachvollziehbar. Hier soll das Altersvorsorgedepot Abhilfe schaffen. Einen bestehenden Riester-Vertrag musst du nicht kündigen. Er läuft mit der bisherigen Förderung einfach weiter. Du kannst aber auch wechseln: entweder komplett in ein neues Produkt oder du behältst deinen Vertrag und stellst ihn per einfacher Erklärung gegenüber deinem Anbieter auf die neue Fördersystematik um.
Ab 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Bestehende Verträge laufen aber mit Bestandsschutz weiter.
ETF Sparplan Förderung: Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot eignet sich für alle, die an Renditechancen des Kapitalmarkts teilnehmen möchten und eigenverantwortlich und flexibel vorsorgen möchten. Die Top-Zielgruppe sind Menschen mit Kindern, da sie durch die Kinderzulagen die höchsten Förderquoten bekommen. Junge Menschen profitieren von einer langen Ansparphase und werden durch das Produkt erstmals sinnvoll angesprochen. Auch für Geringverdiener*innen ist das Altersvorsorgedepot interessant, da selbst kleine Einzahlungen deutlich aufgestockt werden.
Wichtig ist - wie bei anderen Finanzentscheidungen -, dass sich Anleger*innen vorab informieren.
Das Altersvorsorgedepot wurde Ende März 2026 im Bundestag verabschiedet und markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer modernen privaten Altersvorsorge. Mit dem geplanten Start zum 1. Januar 2027 entsteht ein staatlich gefördertes Modell, das die Potentiale am Aktienmarkt in der Altersvorsorge deutlich stärker berücksichtigt. Wer sich früh damit auseinandersetzt, kann die Vorteile des neuen Systems gezielt für den eigenen Vermögensaufbau nutzen. Jede*r sollte die einzelnen Angebote jedoch sorgsam prüfen und abwägen, was für jede*n einzelnen Sinn ergibt.
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