Schweden, Schweiz und die Niederlande machen es in Europa schon vor: Altersvorsorge mit Aktien, ETFs und Fonds. Deutschland will ab Anfang 2027 nachziehen. Erfahre hier, was es mit dem Altersvorsorgedepot auf sich hat, wie es funktioniert und ob es sich für dich lohnt.
Staatliche Förderung deines ETF Sparplans: Was ist ein Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot zur privaten Altersvorsorge. Es kombiniert Kapitalmarktrenditen mit staatlichen Zuschüssen und steuerlichen Vorteilen. Deine Sparrate wird durch staatliche Zuschüsse aufgestockt und die sich so erhöhende Summe profitiert von den Renditen am Kapitalmarkt.
Allerdings kann nicht jede*r das Altersvorsorgedepot nutzen. Die Grundvoraussetzung ist: Du bist pflichtversichert in der gesetzlichen Rente. Förderungsfähig sind außerdem alle
Mitglieder*innen der Künstlersozialkasse
Arbeitslose mit vorheriger Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung
Bürgergeld-Empfänger*innen mit vorheriger Rentenversicherungspflicht
Frührentner*innen
Pflegepersonen von Angehörigen mit Pflegegrad 2 für mindestens 10 Stunden pro Woche
Personen in Elternzeit, Krankengeld- oder Übergangsgeld-Bezug
Nicht förderungsfähig sind:
Selbstständige ohne Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung
Freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherte
Minijobber, die sich von der Rentenversicherung befreien ließen
Pflichtversicherte in berufsständischen Versorgungswerken
Hausmänner und Hausfrauen
Private Altersvorsorge aufstocken: So funktioniert das Altersvorsorge Depot
Das Altersvorsorge Depot funktioniert neben der eigenen Einzahlung über zwei Fördermechanismen: Die staatlichen Zulagen und die steuerliche Förderung.
Die erste Komponente sind die staatlichen Zulagen:
Die Grundzulage beträgt 30% deiner Einzahlung. Sprich, die Höhe der staatlichen Förderung hängt von deinem Beitrag ab
Die staatliche Förderung ist auf maximal 480€ pro Jahr begrenzt
Pro Kind bekommst du 150€ zusätzlich zur Grundzulage pro Jahr
Je weniger du selbst einzahlst, desto stärker wirkt die Förderung prozentual (siehe Beispiel unten)
Um zu veranschaulichen, wie das Vermögen im Altersvorsorgedepot zusammengesetzt ist, hier zwei Beispiele:
Die zweite Komponente ist die steuerliche Förderung: Neben den direkten staatlichen Zulagen profitierst du beim Altersvorsorge Depot auch steuerlich. Du kannst nämlich deine Einzahlungen in der Steuererklärung über den sogenannten Sonderausgabenabzug geltend machen. Dadurch sinkt dein zu versteuerndes Einkommen und du zahlst weniger Einkommensteuer. Du bekommst also indirekt Geld zurück, weil du weniger Steuern zahlst. Wichtig zu wissen hierbei: Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Steuerersparnis höher ist als die staatlichen Zulagen. Wenn Zulagen besser sind, bekommst du nur die Zulagen. Wenn der Steuervorteil besser ist, bekommst du die Zulagen und zusätzlich die Differenz der Steuererstattung. Ein Beispiel: Die Zulagen liegen bei 600€, die Steuerersparnis liegt bei 900€. In diesem Fall bekommst du 600€ direkt ins Depot und 300€ Steuerersparnis.
In welche Wertpapiere du investieren kannst, hängt von deiner Garantieoption ab. Grundsätzlich sind beim Altersvorsorgedepot Anlageformen wie ETFs, aktive Fonds und Anleihen möglich. Umso höher die Garantie ist, desto weniger risikoreiche Anlageoptionen liegen im Depot und damit ist der Fokus eher auf Anleihen und sichere Fonds. Mit sinkender Garantie kannst du freier investieren.
Beim Altersvorsorgedepot fallen - wie bei anderen Geldanlagen auch - Kosten an. Diese Kosten beeinflussen die Rendite. Jeder Anbieter muss allerdings ein einfaches Altersvorsorgedepot anbieten, bei dem die Kosten auf maximal 1% pro Jahr begrenzt sind.
Wenn es soweit ist und du auf das Geld im Altersvorsorgedepot zugreifen möchtest, beginnt die Auszahlungsphase. Diese unterscheidet sich je nach Produkt und Anbieter. In der Regel wird das angesparte Kapital in eine monatliche Rente umgewandelt oder schrittweise entnommen.
Riester Reform: Altersvorsorgedepot vs Riester-Rente
Das Altersvorsorgedepot soll die Riester-Rente ablösen. Daher wird die Einführung des Altersvorsorgedepot auch Riester-Reform genannt. Aber was genau sind denn nun die Unterschiede? Hier die fünf Hauptunterschiede:
Die Riester Rente war für viele zu intransparent, zu teuer und nicht nachvollziehbar. Hier soll das Altersvorsorgedepot Abhilfe schaffen. Wenn du aber einen alten Riester-Vertrag hast, soll es möglich sein, diesen auf ein Altersvorsorgedepot zu übertragen - Details werden aktuell ausgearbeitet. Außerdem sollen ab 2027 keine neuen Riester Renten abgeschlossen werden können.
ETF Sparplan Förderung: Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot eignet sich für alle, die an Renditechancen des Kapitalmarkts teilnehmen möchten und eigenverantwortlich und flexibel vorsorgen möchten. Die Top-Zielgruppe sind Menschen mit Kindern, da sie durch die Kinderzulagen die höchsten Förderquoten bekommen. Junge Menschen profitieren von einer langen Ansparphase und werden durch das Produkt erstmals sinnvoll angesprochen. Auch für Geringverdiener*innen ist das Altersvorsorgedepot interessant, da selbst kleine Einzahlungen deutlich aufgestockt werden.
Wichtig ist - wie bei anderen Finanzentscheidungen -, dass sich Anleger*innen vorab informieren.
Das Altersvorsorgedepot wurde Ende März 2026 im Bundestag verabschiedet und markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer modernen privaten Altersvorsorge. Mit dem geplanten Start zum 1. Januar 2027 entsteht ein staatlich gefördertes Modell, das die Potentiale am Aktienmarkt in der Altersvorsorge deutlich stärker berücksichtigt. Wer sich früh damit auseinandersetzt, kann die Vorteile des neuen Systems gezielt für den eigenen Vermögensaufbau nutzen. Jede*r sollte die einzelnen Angebote jedoch sorgsam prüfen und abwägen, was für jede*n einzelnen Sinn ergibt.
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