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Ein Reisebericht: Unser Impact Projekt in Südafrika

Veröffentlicht am 20. Februar 2023

Erstmals haben zwei Kolleg*innen unser Impact Projekt in Südafrika besucht, das wir seit März 2022 durch die Kartenzahlung unserer Community finanzieren. In diesem Artikel teilen Jelena und Marion ihre Eindrücke von dem Projekt, ihrer Reise und ihren Begegnungen.

Die Hilton Farm am Ostkap in Südafrika 

Von Gqueberah (früher Port Elizabeth) fahren wir etwa zwei Stunden ins Landesinnere. Vorbei an privaten Reservaten, in denen es vor Fauna nur so wimmelt. Wir sehen vom Auto aus Zebras, Elefanten und sogar Nashörner. Doch dann kommen wir in eine trockenere Gegend. Hier wurden über Jahrzehnte hinweg Rinder gehalten. Zu lang, zu viele und zu einseitig – von der einst artenreichen Landschaft ist nicht viel übrig geblieben. Das Gras ist gelb, hier und da wachsen ein paar dornige Büsche, die extrem unfreundlich aussehen und irgendwie in diese nicht gerade lebensbejahende Gegend passen, dazwischen riesige Termitenhügel.

Wir fahren eine Schotterpiste entlang und irgendwann sagt Terence, der Manager von Ecoplanet, die das Projekt vor Ort betreuen: "Hier ist die Grenze zur Hilton Farm, deren Fläche wir mit Spekboom renaturieren". Danach fahren wir noch ziemlich lang.

Hilton besteht aus einem Haupthaus, einem Nebenhaus und einigen landwirtschaftlich genutzten Gebäuden und natürlich jeder Menge Land. All das wurde nicht für unser Projekt gebaut. Die Farm, wie sie heute aussieht, ist aus einer Historie gewachsen, die eng mit der Kolonialgeschichte des Landes verwoben ist: Die Erbauer*innen waren Briten, die sich im Grenzkrieg mit Buren auf der anderen Seite des Flusses befanden, und die Farm selbst muss Schauplatz zahlreicher Kämpfe gewesen sein. Man zeigt uns Räume zur Sklavenhaltung unter dem Haupthaus, die aber nie genutzt wurden, weil die Sklavenhaltung 1833, kurz vor Fertigstellung des Hauses im Britischen Empire abgeschafft wurde. Bei der genauen Nachverfolgung stoßen wir an Grenzen. Zur Wahrheit gehört aber mit Sicherheit, dass die Terrasse, auf der wir essen und die Betten, in denen wir schlafen, Teil der kolonialen Vergangenheit von Südafrika sind. 

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Spekboom als Ökosystem 

Unser erster Tag beginnt um 7:30 Uhr auf dem Feld. In einem gesunden Spekboom-Dickicht schneiden wir zusammen mit den Arbeiter*innen Setzlinge, die wir später in der Baumschule einpflanzen werden. Die Projektleiterin und Ökologin Khulisile zeigt uns, wie inmitten einer großen Spekboom-Pflanze weitere Pflanzen wachsen und wie sich der Boden durch das Wurzelwerk verändert hat. Sie ist eine leidenschaftliche Dickicht-Experting und in Spekboom ist sie regelrecht verliebt. „Dickichte sind ein recht neuer Bereich in der Biologie, lange Zeit wurden sie immer nur als Teil eines Waldes betrachtet“, sagt sie, „Heute wissen wir, dass sie für die Biodiversität in Südafrika essentiell sind.“ Weil die Pflanze so widerstandsfähig und leicht zu vermehren ist, schafft ihr Team es, bis zum Ende des Jahres alle 2.625.000 Setzlinge zu pflanzen.

Das, was hier langfristig entstehen soll, ist subtropisches Dickicht. Es hat einst große Teile des Ostkaps bedeckt und ist Lebensraum vieler Arten. Neben dem Burenbohnenbaum ist der Spekboom hier die vorherrschende Flora, die das Wachstum der über 500 verschiedenen anderen Pflanzenarten begünstigt. Seine Wurzeln verhindern Bodenerosionen und seine Blätter tragen zur Regeneration des Bodens bei. Außerdem speichert die Sukkulenten-Art beachtliche Mengen CO2 in ihren Blättern, im Stamm und im Boden.

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Mit dieser Vision vor Augen geht das gesamte Team vor Ort sehr umsichtig vor und hat sich zu 100% dem Wohl der Pflanzen verschrieben. Es sollen schließlich möglichst viele überleben, damit auch genau so viel Ökosystem entstehen kann, wie wir unseren Kund*innen für die Kartenzahlungen versprechen. Dazu werden die Setzlinge in der Baumschule regelmäßig gewässert und kontrolliert. Erst wenn sie stark genug sind und Wurzeln geschlagen haben, werden sie auf dem Feld gepflanzt. Ihre größten Feinde sind nun Tiere. Spekboom ist sehr vitaminhaltig und steht auf dem Speiseplan vieler Arten. Während das den Pflanzen später sogar zu Wachstum und Vermehrung verhilft, sind die Jungpflanzen auf ihre wenigen Blätter angewiesen. Die Arbeiter*innen zäunen deshalb das bepflanzte Gebiet ein. Zum Schutz vor kleineren Tieren legen sie außerdem Zweige von Dornbüschen auf die Pflanzen. 

Zusammenarbeit auf der Hilton Farm

Auf dem Feld arbeiten ausschließlich schwarze Südafrikaner*innen. Das Management-Team von EcoPlanet hingegen ist weiß. Besonders im Kontext mit der Geschichte der Farm löst dieses Bild mehr als einen bitteren Beigeschmack aus. Auf der anderen Seite stehen die positiven Stimmen aus der lokalen Community. Die Arbeitslosigkeitsquote liegt bei über 80 Prozent und die Jobs auf der Farm sind extrem beliebt. Die Arbeiter*innen werden gut bezahlt und arbeiten unter fairen Bedingungen. Khulisile ist ebenfalls Schwarz, „Die Dinge verändern sich nicht über Nacht“, sagt sie, „Die Ungleichheit zwischen Schwarzen und Weißen in diesem Land ist über eine lange Zeit gewachsen. Vieles hat sich schon verbessert, vor einigen Jahren wäre es unvorstellbar gewesen, dass jemand wie ich studiert und diesen Job macht. Wir müssen den Kreis durchbrechen, sodass die Armut nicht von Generation zu Generation weitergegeben wird. Genau das machen wir hier auf der Hilton Farm. Weil diese Menschen hier Arbeit haben, können ihre Kinder zu Schule gehen.“

Doch auch diese Jobs wird es nicht für immer geben. Ende diesen Jahres sind alle Spekboom-Pflanzen im Boden. Sie werden dann nur noch kontrolliert und geschützt. Deshalb nimmt der Arbeitsaufwand stark ab, und die Verträge der Arbeiter*innen nähern sich ihrer Befristung. Laut Khulisile ist dies für viele der erste Job, sie glaubt, die Arbeitserfahrung und die Zeugnisse, die sie den Arbeiter*innen ausstellen, werden ihre Chancen auch langfristig verbessern.

Wir müssen den Kreis durchbrechen, sodass die Armut nicht von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Khulisile, Arbeiterin auf der Hilton Farm

Trotzdem: Die soziale Wirkung der Hilton Farm ist begrenzt. Kein Projekt ist perfekt. Mit dem ökologischen Impact sind wir mehr als glücklich. Die Renaturierung mit Spekboom ist noch sehr neu, aber hocheffizient und bringt so viele positive Nebeneffekte mit sich. Unsere wichtigsten Erkenntnisse dieser Reise sind deshalb:

  1. Was wir machen, bringt extrem viel: Hier ist eine riesige Farm, die nur von Tomorrow Kund*innen finanziert wird. Das allein ist unglaublich. Hier arbeiten mehr als 50 Menschen und die Fläche, die wir mit Spekboom renaturieren werden, können wir vom Dach eines Pick-Ups nicht überblicken, obwohl das Land einigermaßen flach ist.

  2. Es geht immer noch ein bisschen besser: Im Bereich Impact gibt es noch so viel zu lernen. Diese fünf Tage vor Ort haben uns bereits um einiges klüger gemacht. Wir wissen jetzt genauer, auf was wir in Zukunft achten wollen. Außerdem sind wir froh, schon immer auf mehrere Projekte gesetzt zu haben, von denen jedes seine Stärken und Schwächen hat. 

  3. Die Menschen vor Ort wissen es am besten: Wir sind es gewohnt, die Dinge aus einer europäischen Sicht zu betrachten und schnell auch zu beurteilen. Auf all unsere kritischen Fragen haben wir hier Antworten gefunden. Es ist gut, dass wir sie stellen konnten, aber sie haben uns auch vor Augen geführt, wie weit unsere Denkmuster und Maßstäbe von der Realität entfernt sind.